04.06.2026
Kaum ein anderes Thema ist derzeit so präsent wie künstliche Intelligenz (KI). So traf die Schaffhauser Kantonalbank mit dem diesjährigen Immobilien-Event am Donnerstag. 4. Juni 2026, zu genau dieser Thematik den Nerv der Zeit. Zum Auftakt stellte sich Moderator Reto Brennwald die Frage, inwiefern die KI im finanziellen Bereich nützlich sein könnte – zum Beispiel bei Prognosen zur künftigen Entwicklung der Hypothekarzinsen?
André Merz, Leiter Firmen & Immobilien der Schaffhauser Kantonalbank, gab ihm einige Beispiele an die Hand: «Es gibt Prozesse, auf die KI auch im Bereich Immobilieninvestoren sehr gut anwendbar ist, zum Beispiel bei der Dateneffizienz. Allerdings ersetzt sie nie die das menschliche Bauchgefühl.» Er ordnete das Thema künstliche Intelligenz aus seiner persönlichen und aus Sicht der Bank ein: «Vertrauen, Verlässlichkeit und Empathie sind für uns als Schaffhauser Kantonalbank zentral – dafür braucht es etwas Fassbares, einen Menschen und eine persönliche Beratung.»
Wie viel Einfluss die künstliche Intelligenz auf die Wirtschaft tatsächlich bereits nimmt, das zeigte die erste Gastreferentin beeindruckend auf. Dr. Nadine Eve Rusch-Schenker, Head Departement Banking & Finance, Controlling und Real Estate, HWZ Zürich, sprach aber nicht nur von technischen Hintergründen und Möglichkeiten, sondern auch von Grenzen: «Die grosse Stärke von KI ist es, Muster zu erkennen. Eine menschliche Kontrolle ist aber unabdingbar.» Jeder Arbeitsschritt, den die KI erledige, erfordere einen nächsten menschlichen Schritt. Sie präsentierte kurz verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Immobilienwirtschaft und resümierte: «Realistisch ist, dass Bewertungsmodelle und Markt- sowie Risikoanalysen durch KI mehr Genauigkeit erzielen. Viele weitere Handlungsfelder bleiben aber vorerst noch Utopie.»
Die Baubranche ist heute zu wenig effizient – das könnte sich dank KI ändern. Dass dafür nicht die technologischen Hilfsmittel fehlen, sondern ein Umdenken stattfinden muss, erklärte Markus Mettler, Delegierter des Verwaltungsrates der Halter Gruppe AG und Verwaltungsratspräsident der Halter AG. «Bei neuen Projekten beginnen viele Unternehmer immer wieder bei null. Dabei wären zwischen 80 und 95 Prozent aller Informationen rund um einen Bau standardisierbar und somit auf andere Projekte skalierbar.» Ein weiteres Problem sei heute, dass alle Baubeteiligten im «stillen Kämmerlein» für sich arbeiten, obwohl es viel effizienter und kreativer wäre, wenn Wissen über Städtebau allen zugänglich wäre. «Strukturierte gesammelte Daten zahlen sich für jeden Betrieb aus: Es braucht nur noch Stunden statt Tage, um schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen. Das ist schliesslich auch in den Betriebskosten messbar.»
Weniger auf KI, dafür mehr auf die Entwicklung des Immobilienmarktes in der Region fokussierte das Referat von Traditionsgast Prof. Dr. Donato Scognamiglio. Trotz Energiekrise und Unsicherheiten boomen Eigenheime auch in Schaffhausen nach wie vor: «Es dauert zwar inzwischen länger, bis Immobilien verkauft sind, aber die stark steigenden Angebotsmieten sprechen noch immer fürs Kaufen.» Die aktuelle Weltlage lasse aber viele Zukunftsszenarios zu, so zum Beispiel auch eine Inflation: «Diese könnte die Hypothekarzinsen natürlich in die Höhe treiben, aber gut amortisierte Eigenheimbesitzer müssen keine Angst haben.»
Nachdem die Referierenden den Anwesenden viele Informationen und Einblicke aus der Branche präsentiert hatten, neigte sich der informative Teil des Anlasses dem Ende entgegen. Den Schlusspunkt setzte Alain Schmid, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schaffhauser Kantonalbank. Ihn beschäftigt KI bereits seit längerem: «Im Gegensatz zu anderen technologischen Entwicklungen können alle KI spüren und erleben. Es ist weniger die Frage, ob man KI als Unternehmen einsetzt, sondern mehr wie man sie einsetzt. Die Schaffhauser Kantonalbank hält am Menschlichen fest und stellt das Persönliche in den Vordergrund.» Der Einsatz bei der Bank sei daher auf Prozessoptimierung beschränkt.
Im Anschluss fand der inzwischen traditionsreiche Immobilien-Event der Schaffhauser Kantonalbank bei einem durch und durch analogen Stehlunch mit regem Austausch zwischen Gästen und Referierenden einen stimmungsvollen Abschluss.

von links: Alain Schmid (CEO SHKB), Markus Mettler (Halter AG), Reto Brennwald (Moderator), Nadine Eve Rusch-Schenker (HWZ), Donato Scognamiglio (IAZI AG), André Merz (Leiter Firmen & Immobilien, SHKB)

Rund 350 Gäste kamen zum 18. Immobilien-Event der Schaffhauser Kantonalbank ins Stadttheater und lauschten unter anderem Donato Scognamiglio.

